Ludgerischule Billerbeck
     Kath. Grundschule

Partnerschule

„Escola Dom Edilberto“ Im Herzen Brasiliens liegt der Bundesstaat Bahia, der in etwa die Größe Frankreichs hat. Seine Hauptstadt ist Salvador (ihr vollständiger Name ist: Salvador da Bahia de Todos os Santos) mit 3,4 Mio. Einwohnern. Salvador war der erste bedeutende Hafen Brasiliens und zudem fast 200 Jahre lang Hauptstadt des kolonialen Brasiliens. Über seinen Hafen wurden die afrikanischen Sklaven ins Land gebracht. Darum ist bis heute der größere Teil der brasilianischen Bevölkerung dieser Region schwarzer Hautfarbe.

 

Partnerschule1 Nova Divineia – Favela in Salvador

 

Die Millionenstadt Salvador wurde, wie alle Großstädte Brasiliens, Anziehungspunkt für die Menschen aus den Dürregebieten des Nordostens, welche in der Stadt eine Chance zum Überleben suchten. Die Reise dieser „Nordestinos“ endete fast immer in einem der Elendsviertel der Stadt. Nova Divineia ist so ein Elendsviertel (Favela); es liegt im Stadtrandviertel IAPI. Dort leben zwischen 10 000 – 15 000 Menschen in Hütten und selbstgebauten Unterkünften in ärmlichsten Verhältnissen. Da viele dieser Menschen nicht einmal registriert sind und immer neue hinzu kommen, kann man ihre Zahl nicht genau feststellen.

 

SANYO DIGITAL CAMERA Dona Lucia Almeida Souza de Cerqueira mit einer Schülerin

 

Dona Lúcia Almeida Souza de Cerqueira hat in der Nähe dieser Favela ihr Haus. Fast täglich kamen bettelnde Kinder an ihre Tür und die pensionierte Lehrerin bekam Mitleid mit diesen Kindern. Sie machte sich Gedanken darüber, dass Almosen den Kindern keine echte Hilfe bringen. Dona Lúcia hatte die großartige Idee, den Kindern mehr zu geben: eine Schulbildung. 1995 gründete sie mit ein paar Freunden einen Wohltätigkeitsverein und da sie durch den Tod ihrer Schwester eine Summe Geld geerbt hatte, kaufte sie damit ein Grundstück in der Favela für den Bau eines kleinen Schulgebäudes (6 Meter breit und 12,50 Meter tief). Da der Bau an einem Hang konstruiert wurde, entstanden 3 Ebenen. Im oberen Bereich entstanden 2 Klassenräume von je 20 qm Größe. Außerdem entstanden 2 Duschen, eine Toilette, ein kleines Büro und ein größerer Raum im Keller, der sowohl als Klassenraum wie auch als Aula genutzt werden konnte. Als Essraum mit Kochecke für die angebotenen Schulmahlzeiten diente der Eingangsbereich. Dona Lúcias Ziel war und ist es, Kinder aus dem Elendsviertel von der Straße zu holen, sie während des Tages zu unterrichten, religiös zu unterweisen und ihnen damit ein würdigeres und glücklicheres Leben mit Zukunftshoffnung zu geben. Während der Schulzeit gehören zwei Mahlzeiten für jedes Kind zum Tagesplan, denn viele Schüler bekommen ihre einzige geregelte Mahlzeit allein in der Schule.

 

SANYO DIGITAL CAMERA Escola Dom Edilberto

 

Am 12. Oktober 1995 wurde die Schule eingeweiht und mit 30 Kindern in Betrieb genommen. Seitdem hat sich die Schülerzahl auf über 160 erhöht, denn viele Eltern haben erkannt, welchen positiven Einfluss die Schule auf ihre Kinder hat. Darum wollen immer mehr Eltern ihre Kinder dort anmelden. Dona Lúcias Prinzip aber ist es, aus jeder Familie nur ein Kind aufzunehmen, damit möglichst viele Familien in den Genuss des Kontaktes zur Schule gelangen können.

Mit der zunehmenden Schülerzahl wurde die Schule schnell zu klein, sodass Umbaumaßnahmen vorgenommen werden mussten. Dank der vielen Spenden aus dem Freundeskreis in Brasilien und in Deutschland, besonders in Billerbeck, konnte ein Um- und Anbau am 19. Mai 2001 feierlich eingeweiht werden. Die Schule „Dom Edilberto“ hat nun noch 2 Stockwerke hinzubekommen (2 weitere Klassenräume und eine überdachte Dachterrasse als Aula und Pausenraum; einen Schulhof gibt es nicht). Der Keller wurde zum Essraum mit Küche hergerichtet.
In der Schule unterrichten z. Zt. neben Dona Lúcia (als ehrenamtliche Leiterin), eine Konrektorin und 13 Lehrerinnen. Außerdem arbeiten noch weitere 5 Mitarbeiterinnen in der Küche etc.

 

SANYO DIGITAL CAMERA Pause in der Schule Dom Edilberto

 

SANYO DIGITAL CAMERA Mittagessen

 

Nach Dona Lúcias Aussagen kann man feststellen, dass nicht nur der Gesundheitszustand der Schüler besser geworden ist, sondern dass sie auch weniger Aggressionen zeigen und fröhlicher geworden sind. Das ist eine sehr positive Bilanz. Die Kontakte zu den Familien der Schüler zeigen ebenso Erfolge; angeboten werden für sie Koch- und Handarbeitskurse etc.

Dona Lúcias Träume zum Wohl der Kinder der Favela sind noch nicht ausgeträumt. Sie kaufte 2004 ein Haus in der Nähe der Schule, das inzwischen zu einem weiteren Schulgebäude ausgebaut wurde. Im März 2008 konnte man in das geräumigere Gebäude umziehen. Dona Lúcia möchte das Schulangebot bis zur 8. Klasse erweitern verbunden mit berufsbildenden Maßnahmen. Diese sollen in dem Gebäude „Escola Dom Edilberto 1“ durchgeführt werden. Die Gelder für den Umbau hat das Kindermissionswerk zur Verfügung gestellt in Verbindung mit Spenden aus dem Freundeskreis.

SANYO DIGITAL CAMERA Die Schulgemeinschaft Dom Edilberto

 

2014-02 3 Schulband 2014-02 5

 

2014-02 10 Musikunterricht

 

2014-02 6 Informatik-
unterricht
2014-02 8

 

2014-02 9 Herstellung von Süßwaren

Einige Mütter erlernen die Herstellung von Süßwaren. Sie möchten durch den Verkauf eine Aufbesserung des Haushaltsgeldes erreichen.

 

Die regelmäßigen Kosten für die Schule bestehen aus den Gehältern für die Lehrerinnen und Angestellten, für die Schulkleidung und Schulspeisung, für Schulbücher und Schulmaterial. Weitere Ausgaben sind nötig für Wasser, Licht, Telefon etc. Da die brasilianische Regierung trotz wiederholter Anträge von Dona Lúcia keinerlei öffentliche Mittel für die Schule zur Verfügung stellt, müssen alle Kosten durch Spenden aus dem „Freundeskreis Escola Dom Edilberto“ in Brasilien und Deutschland mit Unterstützung durch das Kindermissionswerk zusammen kommen. Dona Lúcia braucht unsere Unterstützung, damit ihr Traum wahr bleibt.

 

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Mo., 18.08.2014

Dietlinde Dierksmeier und Liesel Vonthein besuchen brasilianische Partnerschule / Spenden übergeben Umarmungen zum Abschied

Unterricht in der Partnerschule 2014-08

In den Unterricht hineingeschnuppert hat Dietlinde Dierksmeier bei der brasilianischen Partnerschule „Escola Dom Edilberto“ – so wie bei dieser Klasse.

 

Billerbeck. Sie ist wieder daheim. Zu Hause. In Bombeck. Vier Wochen lang ist Dietlinde Dierksmeier durch Brasilien gereist – zusammen mit Liesel Vonthein. Letzte Station ihrer Reise durch den Nordosten des südamerikanischen Landes war die Stadt Salvador im Bundesstaat Bahia. Dort ist auch die Partnerschule der Ludgeri-Grundschule, die „Escola Dom Edilberto“. „Salvador mit seinen bis zu vier Millionen Einwohnern ist eine chaotische Stadt, die die verschiedenen Gesichter Brasiliens widerspiegelt“, schreibt Dietlinde Dierksmeier. „Kommt man aus der für die Touristen durch großes Polizeiaufgebot geschützten Fußgängerzone mit den antiken, im portugiesischen Barock gebauten Kirchen und Häusern, liegt vor einem ein Kontrast von modernen Hochhäusern, eingestürzten alten Gebäuden, moderner Strandpromenade an wunderschönen Stränden und von mit Müll verdreckten, engen Gassen.“

Bei einer Rundfahrt durch die Stadt bekomme man den Eindruck, dass die Hälfte der Bevölkerung in Elendsvierteln wohne. Jeder versuche, nur „vor der eigenen Tür zu kehren“, das Allgemeinwohl interessiere kaum jemanden. „Immer wieder haben Freunde mir gesagt, dass das Volk Erziehung braucht, nur durch Bildung kann sich was verändern“, so Dietlinde Dierksmeier. „Und einen Ansatz einer Veränderung, wenn auch im ganz Kleinen, konnten wir bei unserem Besuch in der Partnerschule ‚Escola Dom Edilberto‘ erkennen.“ Die beiden Billerbeckerinnen haben die Kinder während des Unterrichts besucht. „Da haben wir einen kleinen Einblick bekommen, was Unterricht für diese Kinder bedeutet“, so Dietlinde Dierksmeier. Schule sei für viele Familienersatz, die Lehrerinnen würden geliebt werden wie eine Mutter.

Die Schüler seien begierig zu lernen und wüssten, dass es für sie ein Geschenk sei, in dieser Schule unterrichtet zu werden. Die Lehrer seien mit ganzem Herzen bei ihrer Arbeit – so auch Jaqueline, eine junge Frau aus der Favela (Elendsviertel), die selbst Schülerin der „Escola Dom Edilberto“ war, mache nun ein Lehramtsstudium. Sie gebe schon Unterricht in Informatik und habe eine besondere Begabung im Umgang mit den Kindern des Milieus. Die Rektorin der Schule träume davon, aus ihr die zukünftige Rektorin der Schule zu machen.

Für die Gäste aus Billerbeck wurde zudem ein kleines Theaterstück einstudiert: die Geschichte des Kampfes um die Unabhängigkeit von Bahia. Außerdem bekamen Dietlinde Dierksmeier und Liesel Vonthein eine Kostprobe vom musikalischen Können der Schulband nach einem Jahr Musikunterricht: Klassische Musik und Folklore wechselten sich ab. „Den brasilianischen Kindern scheint der Rhythmus im Blut zu stecken. Es war ein Genuss für uns“, so Dietlinde Dierksmeier. „Als ich den Kindern nach der Vorstellung erzählte, dass ich ihnen Geld mitgebracht hätte, das beim Schulfest der Ludgeri-Grundschule eingenommen wurde, damit auch sie jetzt ein Schulfest feiern könnten, war der Jubel groß.“ Rektorin Dona Maria Lúcia hatte auch gleich eine Idee: Mit den Kindern soll eine Busfahrt ins antike Zentrum der Stadt und zur Strandpromenade, die zur Fußball-WM gestaltet wurde, gemacht werden. Dietlinde Dierksmeier: „Mit vielen brasilianischen „abraços“ (Umarmungen) der Kinder, Lehrerrinnen und Freunde des Förderkreises der Schule ‘Dom Edilberto’ haben wir Abschied genommen von einem Land, in dem mein halbes Herz zurückgeblieben ist.“

Aus Allgemeine Zeitung 18.08.2014